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Ein seltener Besuch der St Sebastiani Kapelle in Bamberg

Foto von Innen- und AUßenansicht der Kapelle

Eigentlich kann man die St Sebastiani Kapelle in Bamberg nicht besuchen. Nur an besonderen Gottesdiensten wird sie geöffnet. Ich hab mich mal für dich umgesehen.

Der Artikel ist auch auf Englisch erschienen.

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Besuch

Die Kapelle ist die meiste Zeit des Jahres nicht zugänglich, außer zu besonderen Gottesdiensten und Feierlichkeiten. 

(Man kann hier aber auch eine Heirat buchen. Nur den Pfarrer muss man selber mitbringen.)

Blick auf die Steinkirche von der Seite


Besondere Gottesdienste

Oktav

Jedes Jahr am 20. Januar findet die Sebastiani-Prozession von der Kirche St. Otto nach St. Gangolf anlässlich des Namenstages des Heiligen Sebastians statt.

Bei dieser wird eine große Heiligenstatue geschmückt und durch die Straßen getragen wird. Natürlich finden auch Gottesdienste und Betstunden statt.

Das Ganze ist Teil der Sebastianioktav. Der Name ist Programm, da sich die Feierlichkeiten über acht Tagen erstrecken.

Übrigens gibt es auch zu dieser Zeit leckere Sebastiani-Ringe beim Bäcker zu kaufen.


Flurumgang

St Sebastiani gehört offiziell zu St. Otto und daher gehört das Event des Flurgangs auch zu St Sebastiani.

Dieser Bittgang findet jedes Jahr am Sonntag vor Christi Himmelfahrt in den Fluren der Kirche St. Otto statt.

Grund ist unter anderem das Erbeten reicher Erträge und Wachstum der Pflanzen der Gärtnereien.

„Kleine“ Fronleichnamsprozession

In Bamberg finden gleich zwei Fronleichnam-Prozessionen statt. Die Große Fronleichnamsprozession startet und endet am Dom direkt an Fronleichnam. Am Sonntag danach gibt es dann die Kleine Fronleichnamsprozession durch verschiedene Pfarreien.

Während der Prozessionen wird die heilige Hostie Eucharistie durch die Straßen der Stadt getragen und von Gläubigen begleitet.


Kirchweih

Im September findet die Kirchweih statt, wo die kleine Kapelle von der Gemeinde gut durchgeputzt und geschmückt wird.

Das erlaubte mir auch den Besuch während des Tages des offenen Denkmals in Bamberg 2023.

Geschichte

Die Kirche wurde zum ersten Mal 1477 erwähnt, und zwar als Lazarett St Sebastian. 1618 wurde ein Waschhaus hinzugefügt.

Auch heute noch erinnert der Name der Straße an die Ursprünge des historischen Krankenhauskomplexes: Siechstraße.

Ein Siechenhaus war nämlich ein spezielles Kranken-Haus für Seuchengeplagte. Und es gab getrennte Häuser nur für pestkranke Frauen und Männer sowie für die Franzosenkrankkeit (heute als Syphilis bekannt und bis zur Entdeckung des Penicillins unheilbar).

Im Barock wurde die Kapelle in der Front um den Eingangsbereich erweitert.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde sie dann umgestaltet und dem Geschmack der barocken Zeit (1660–1780) angepasst.

Aufgrund der Säkularisierung durch die Napoleonischen Kriege wurde die Kapelle zur Versteigerung freigegeben und war frei erwerbbar. Ein lokaler Weinhändler wollte sie erstehen und daraus eine Party-Weinbar machen.

Das gefiel den Gärtnern, die inzwischen in der Gegend sesshaft waren und die Kapelle besuchten (weil die Kirche weiter weg war), so gar nicht. Und sie taten sich zusammen und erwarben einfach mal die Kapelle.


1892 wurde sogar eine eigene Stiftung zum Erhalt der St Sebastiani Kirche gegründet.

Mitte des 19. Jahrhunderts drohte eine weitere Pestwelle und der Pfarrer nutzte die Chance. Er entlockte den Gemeindemitgliedern das Versprechen großzügig an die Kapelle zu spenden, wenn sie die Seuche überleben würden.

Und siehe da: Bamberg wurde tatsächlich von der Epidemie verschont und es gab wieder einen neuen Geldschub für den Erhalt der Kapelle.

Die Kapelle wechselte später erneut ein paar Mal den Besitzer und wurde vom Ehepaar Schmidt gekauft, die viel in der Innendeko erneuern und anpassen ließen. So sieht man seither zwei große Gemälde links und rechts vor dem Altar mit den Heiligen Andreas und Elisabeth – als Hinweis auf ihre eigenen Namen.

1970 wurde die Kapelle an den bayerischen Staat verkauft und dann an das Gärtner- und Häckermuseum weitergegeben. Die original Reliquien und die Sebastiani-Statue aus der Kapelle können daher im Museum besichtigt werden.

Cool ist, dass die Orgel noch original erhalten ist. Da sie seit 1862 kaum benutzt wurde, ist sie einzigartig und kann auch nur von Spezialisten gestimmt werden.

Blick von oben auf den Innenraum der Kapelle


Architektur

Von außen betrachtet, wirkt die Kapelle etwas unscheinbar, aber sticht dennoch heraus.

Die umliegenden Häuser sind in schickem weiß-gelb und barocken Elementen verziert. Und eine neogotische Fassade aus grauem Stein hebt sich optisch hervor.

Interessanterweise wurde die Bitte, die Fassade im neogotischen Stil umzugestalten abgelehnt. Aber das wurde einfach ignoriert, was zu Ärger führte. Aber letztendlich wurde die Genehmigung nachträglich erteilt.

Wenn du genauer hinschaust, siehst du, dass die Fassade leicht schief angelegt ist. Der Grund war, dass sie dem Straßenverlauf angepasst wurde. Eine interessante Wahl, wenn du mich fragst.

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