Warum ein Besuch in Blenheim im Winter eine doofe Idee war

Da war ich nun in Blenheim im Winter. Und es war der denkbar unpraktischste Ort für jemanden, der plötzlich einen fiesen Schnupfen bekommen hatte. Ich hatte mich in einem Bungalow Camp eingebucht, welches in den Sommermonaten boomt. Es gab einen Pool, natürliche Ventilationsanlagen durch nicht isolierte Wellblechwände und keinen Schnickschnack. Das bedeutete keine Heizung und eine einzige Campingkochstelle. Statt Schäfchen konnte ich jedenfalls Atemwolken zählen. […]

Warum ein Besuch in Blenheim im Winter eine doofe Idee war
So konnte das nicht weitergehen und ich zog wiederwillig los. Meine Mission war es, eine Heizung zu finden. Sie verlief erfolglos. Weder in der Bibliothek noch in einem der Modeläden war es viel wärmer. Nur etwas stickiger durch die vielen Menschen, die dieselbe Idee hatten und nicht mehr fortgehen wollten. Ich brauchte Wärme und die würde ich nur durch Bewegung bekommen. Ich durfte nicht noch kränker werden. Verzweifelt ging mein Blick gen Himmel und fiel auf einen Berg vor mir. Dort würde ich hinaufsteigen! […]

Doch der Wanderweg war weniger eindeutig als gedacht. Mal musste ich über Zäune auf Schafswiesen steigen, dann durch kleine Wälder auf Schlammpfaden wandeln. Heiß wurde mir definitiv, aber ich musste dem Drang wiederstehen, mir die Lagen vom Leibe zu reißen. Es war schließlich noch kalt und ich krank. Lechzend versuchte ich mir die Wohltuung verheißende Wasserquelle vor Augen zu führen. Aber immer war noch ein Stück des Weges übrig. So hoch war der Berg nicht, aber meine Energiereserven fühlten sich auch nicht gerade wohl mit dem labbrigen Sandwich, das ich mir geschmiert hatte. […]

Warum ein Besuch in Blenheim im Winter eine doofe Idee war

Als ich dann endlich mein Ziel erreichte, erspähte ich ihn sofort: den Wasserspender. In Nullkommanix war ich dort und hielt mein Gesicht in die Nähe des wasserverheißenden Ventils. Ich drückte den Knopf und BAM! Ich war klitschnass von oben bis unten. Das Ventil meinte es wohl zu gut mit mir, denn statt einem kontrollierten Strahl entstand ein regelrechtes Wasserspiel und die Tropfen tanzten auf meinem Pullover und dem geöffneten Mantel. Langsam sog sich das Wasser durch den Schal und ich spürte es an meinem Hals.

Wenn ich nicht gerade die Tropfen von meinen Kleidern lecken wollte, musste ich mir etwas einfallen lassen. So konnte ich es auch kaum abfüllen. Ich zog den Hals ein, stopfte meine Ärmel in den Mantel und versuchte von einem Meter Ab-stand den Knopf zu drücken und den Wasserschwall einzufangen. Bis ich genügend rehydriert war und noch einen Vorrat für meinen Rückweg abgefüllt hatte, verging in etwa eine halbe Stunde. Geduld ist eine Tugend heißt es. Ich frage mich, ob derjenige, der sich diesen Spruch ausgedacht hat, auch keine andere Wahl hatte und sich das Warten schön reden wollte. […]

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Aber eine Verschnaufpause kam mir gerade recht, denn sonst hätte ich den grandiosen Ausblick von Blenheim im Winter fast verpasst. Die niedrig hängenden Nebelwolken hatten sich verzogen und eröffneten mir eine Sicht nicht nur über das verschlafene Blenheim, wie es mit seinen kleinen Schornsteinen blaue Rauchwolken erzeugte, sondern auch auf das Meer nur etwas weiter nördlich. Es war die Idylle schlechthin und ich musste einsehen, dass Blenheim doch nicht so langweilig war. Vor allem, wenn man es hinter sich ließ.


Hinweis: Blenheim im Winter oder Sommer wurde mir von vielen Backpackern wärmstens empfohlen, aber wahrscheinlich nur, weil es hier viele Möglichkeiten für Farmjobs gibt. Sightseeing ist leider keine richtige Option.

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